Der perfekte Kindergeburtstag – und weshalb es keine Fotos gibt

Kindergeburtstag ohne Social Media

Das Kind hat zum zweiten Mal Geburtstag, es gab eine Kinderparty, eine Familienfeier und ich hab mein Mädl selten so oft strahlen gesehen, wie in der letzten Woche. Dennoch hab ich das Gefühl, das Thema „falsch“ gemacht zu haben. Dieses Gefühl kommt nach ein bisschen Instagram surfen und dem Durchscrollen unserer Geburtstagsfotos am Handy.

So muss Kindergeburtstag

Wie stelle ich mir also einen Kindergeburtstag so vor? Bei uns waren erstmal ein paar Gleichaltrige zu Gast und weil man diesen nicht zutrauen kann, sich in Gesellschaft nicht sofort umzubringen bzw. jemand anderen schwer zu verletzen (oder besser gesagt, weil ich mir nicht zutraue, fünf Kleinkinder wieder heil ihren Eltern zu übergeben), braucht man eben qualifiziertes Aufsichtspersonal. Das besteht in unserem Fall aus fünf überforderten Mamas mit Tendenz zum Alkohol und der Hoffnung, dass die Kinder miteinander spielen. Daraus wurden dann fünf gestresste Mamas, mit Tendenz zum Kuchen-Überfressen und der Einsicht, dass das eigene Kind andere Kinder einfach nicht mag.
Es gab bunte Pappteller, schräge Luftballons, Kuchenkrümel am Boden (und wahrscheinlich auch in der Couch – hab nicht mehr nachgesehen, weil nach so einem Kindergeburtstag muss man ohnehin ausziehen oder Möbel komplett austauschen), freudestrahlende Kinderaugen, viel Lärm, den mickrigen Versuch einer choralen Version von Happy Birthday, ein bisschen was zum Auspacken und schlussendlich Schlammgematsche mit anschließender Eisdusche am Spielplatz. Ich war eigentlich ganz zufrieden.

So soll Kindergeburtstag

Ich habe es aber grundlegend falsch gemacht. Zumindest sagt mir das Instagram. Denn dort sehe ich Porzellangeschirr, namen-beschriftete Becher, pastellfarbene Luftballons, Naked Cakes, Prinzessinnen-Kleidchen, Türme von Geschenken verpackt in einfärbigem Papier, Girlanden, Streichelzoo, Hüpfburg usw. Nicht zu vergessen, die Einhörner!! Die Erkenntnis, dass es dabei aber gar nicht um Kindergeburtstage ging, sondern es lediglich Einschulungsfeiern sind, die da auf dem Social Media Kanal zur Schau gestellt werden, tröstet mich aber nicht. Denn ich frage mich nur eines: Wenn das Kind das mal später sieht, denkt es sich dann:

a) Wow! Das hat meine Mama nur für mich gemacht! Wie cool!
oder
b) Wow! Das hat meine Mama also nur für Social Media gemacht…

Ich hoffe ersteres. Und bezweifle absolut nicht, dass diese Kinder auch freudestrahlend ihren Tag genossen haben. Aber es lässt mich als Normalo-Mama ganz schön alt aussehen. Wenn das der Standard ist, was denkt mein Kind mal von mir, wenn ich ihm keine Themenpartys biete?

Warum Social Media nur Mittel zum Zweck ist

Ich bin Social Media-Junkie. Was man dort sieht wird wirklich professionell betrieben. Als „Dank“ gibt es Herzen, Daumen hoch und Unmengen an Follower, denen man tagtäglich wieder was Neues bieten muss. Ich weiß wie das geht, weil ich hauptberuflich auch meinen Beitrag dazu leiste. Aber mit meinem Blog will ich das nicht. Weil meine Geburtstagsfeiern kein Farbkonzept haben. Weil es zur Einschulung eine kleine Schultüte geben wird und mehr nicht. Weil ich gerne reale Zeit mit meiner Familie verbringe und nicht indirekt über Social Media.
Deshalb ist mein Blog auch klein und echt und wird es so bleiben. Und der Fakt, dass du bis hierhin gelesen hast, reicht mir vollkommen, um damit glücklich zu sein 🙂

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1 Comment
  • Reply
    Julia
    3. September 2019 at 19:34

    Du schreibst mir so aus der Seele. Ich beobachte auch immer mit Kopfschütteln, wie Kindergeburtstage ausarten. Da gibt es Kinofahrten für alle, Lamawanderungen, Museumsführungen und die Gäste gehen fast mit mehr Geschenken nach Hause als das Geburtstagskind. Wo sind die guten alten Geburtstagspartys geblieben mit Mehlschneiden, Gummihüpfen und Schnitzeljagd?!

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