Sandkasten-Freunde wider (Mamas-)Willen

Sandkastenfreunde

Ich weiß ja, weshalb ich nicht gerne mit dem Kind zum Sandkasten vor der Haustüre spielen gehe. Aber nach Tagen der Krankheit, an denen wir zuhause fest saßen, schien mir das wieder ein erster richtiger Schritt in Richtung Kontakt zur Außenwelt. Doch dass daraus eine richtige Re-Sozialisierungs-Prozedur werden würde, konnte niemand ahnen.

Hilfe, mein Kind zeigt „soziales“ Verhalten

Diejenigen unter euch, die mich persönlich kennen – ein Misanthrop sondergleichen – wissen was das bedeutet. Wir saßen in der Sandkiste und ich jätete Unkraut aus dem Sand, während mir das Kind missbilligend zusah. Nach 30 min Arbeit fehlte mir nicht nur jegliche Bewegungsfreiheit im Kreuz, sondern auch mein Armband. Also weitere 30 min buddeln. Das waren ein paar Minuten zu viel. Denn als ich die Suche nach dem Schatz bereits aufgegeben hatte und zusammen packen wollte (das Kind konnte sich nicht überwinden den Sand einmal anzufassen), tauchte ein uns schon sicher minutenlang – ach was: sicher monatelang! – beobachtendes Volksschulkind auf. Sie will mit der Kleinen spielen. Na dann, viel Spaß!

Wie Kinder soziales Verhalten lernen

Und ich muss sagen, ich glaube die Liebe zu fremden Menschen hat sie von mir. Das Kind – wirklich herzig – legt sich richtig ins Zeug, um mit ihr zu interagieren. Loch buddeln, Ball spielen, Hände eingraben, Kind umhertragen, Kind schaukeln… Mein Kind fällt dabei ab der ersten Berührung in eine Schockstarre: Das Loch wird angestarrt, der Ball prallt vom Kopf ab, die Hände liegen bewegungslos im Sand, das Kind wird wie eine Puppe durch die Gegend gezerrt. Hauptsache das Volksschulkind hat Spaß. Und weil dem offensichtlich langweilig ist – es sind ja schließlich Sommerferien – entführt es auch schon mein Kind in Richtung Wohnung.
„Ich will ihr mein Zimmer zeigen!“ – „Nein, heute nicht mehr, wir müssen heim und was essen und dann ins Bett!“ – „Ok, kann ich noch mit bis zur Tür?“ – „Von mir aus.“

Der Stumme Schrei um Hilfe

Das Volksschulkind schreit noch der aufpassenden – ach was: uns schon monatelang beobachtenden – großen Schwester, dass es mit uns mit geht. Alles klar. Sie wird in 30 Minuten wieder abgeholt. „Darf ich ihr Zimmer sehen?“ Na toll… wie komm ich da wieder raus. „Ja aber nur kurz, der Papa ist nämlich krank daheim!“ Also schleppt mein Kind ihre erste Spielplatz-Bekanntschaft mit nach Hause und zeigt ihr ihr Zimmer. Soll heißen: Sie wird vom Volksschulkind in das zu begutachtende Zimmer geschleift, während ich meinem Mann einen Blick zu werfe, der sagen soll: „Sie schaut sich schnell das Zimmer an, du bist krank, sie muss gleich wieder weg, also bereite gleich das Essen vor und dann gehts ins Bett und der Besuch muss raus!“ So einen Blick kann man unmöglich missverstehen. Vor allem wenn er von mir kommt.

Als der Besuch dann alles bewundert hat, hole ich mein erstarrtes Kind aus der Ecke und sage, dass wir jetzt ins Bett müssen und sie ja mal wieder DRAUSSEN mit ihr spielen kann. Da höre ich auch schon jemanden bei der Tür ihren Namen rufen! Gott sei Dank!
„Dürfen wir rein?“
Wer? Wir? Wie bitte???
„Ja, sicher!“ – Mein Mann. Hoch soll er leben.
Und – schwupps – steht die ganze Familie des Volksschulkindes in meinem Wohnzimmer.

Wir müssen umziehen!

Die große Aufpass-Schwester und der mittlere Bruder sind also auch neugierig. Wobei der mittlere Bruder sich mehr für unsere Einrichtung interessiert: Habt ihr Rollläden? Wo lässt man die runter?
Oder für unser Leben: Schaut dein Mann Fußball? Wann geht ihr schlafen? Schaut ihr abends fern? Seid ihr morgen zuhause? Darf ich wieder kommen?
Ich bekomme Schweißausbrüche.
Irgendwann sind alle fort und das Volksschulkind bekommt noch ein Bussi von meiner Kleinen, die wohl einfach erleichtert ist.
Als die Tür ins Schloss fällt, ist alles sofort klar:


„Schatz, pack die Koffer, wir müssen umziehen! SOFORT!“

Sandkastenfreunde wider Mamas Willen

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