Kleinkind sinnvoll beschäftigen – so geht’s

Für alle, die jetzt geklickt haben, weil sie sich Montessori-Nachhaltigkeits-Bio-Ethik-Spielideen mit recycle-barem Zeug erhoffen: Es tut mir leid. Ich wäre gerne so eine Mama, die ihr Kind rund um die Uhr mit ausschließlich kreativitätsfördernden Spielen beschäftigt. Ich bin aber eine Mama, die gerne einfach auch mal ihre Ruhe hat, oder was vom Erwachsenen-Kram weiterbringen will und neben dem tausendsten Mal das selbe Lied singen und den selben Turm bauen, einfach mal das Kind Kind sein lassen möchte.

Kleinkinder können sich nicht alleine beschäftigen?

Ich rede mir noch immer ein, dass diese Aussage wirklich wahr ist und es nicht daran liegt, dass mein Kind andere Menschen nicht mag. Also besser gesagt, andere kleine Menschen. Die von der Sorte impulsiv. Will ein anderes Kind mit ihr spielen, oder sie umarmen – ja eigentlich darf sie ein Kind unter 4 Jahren nicht einmal ansehen – wird geschrien und panisch nach Mama gerufen. Mein Kind liebt es also, mit Erwachsenen zu spielen (oder in Sicherheit andere Kinder und ihr unvorhersehbares Verhalten zu beobachten und zu verstehen versuchen).
Was macht man also als Mama? Man verkauft dem Kind langweilige Dinge, die eigentlich der Mama Spaß machen, als gemeinsame Spiele.

Die Alternative zum Fernsehen

Den Fernseher einzuschalten, wage ich nicht. TV ist ja böse. Sehr böse. Nur in äußersten Notfällen wird das Kind mit einem kindergerechten Programm auf Youtube oder Netflix abgelenkt. So rede ich mir das perfekte Mutter-Sein ein. Neben dem Kind wird auch nicht ferngesehen. Man muss ja authentisch leben, VOR-leben. Was würde ich also jetzt tun, wenn ich kein Kind zuhause hätte? Vermutlich tonnenweise Bücher verschlingen. Also wage ich mich an das Experiment „Lesen neben Kind“. Interessiert schaut sie mein Buch an und findet es natürlich extrem langweilig so ohne Bilder. Sie meint zwar ab und zu einen Hasen zwischen den Zeilen zu erkennen, aber mehr Interesse für meine Vorliebe für Geschriebenes kann sie nicht aufbringen. Also rede ich ihr ein, dass es total super wäre, wenn sie sich auch ein Buch holt, neben mich legt und mit mir kuschelnd liest.
Es funktioniert tatsächlich. Früh morgens nach dem Aufstehen bringt sie mir seither mein Buch und verlangt, dass ich es lese. Ich freue mich, dass mein Kind jetzt schon zu einem Bücherwurm mutiert. Ich muss halt jetzt auch damit leben, dass ich ihr ständig alle Bücher vorlesen muss. Immer wieder die selben…

Spaß an der Bewegung

Ich will meinem Kind ja auch vermitteln, dass Bewegung total lustig und toll ist. Am besten an der frischen Luft. Was leben also die Eltern vor? Leider irgendwie das Gegenteil. Wir sind so fertig vom Alltag oder kommen einfach nicht in die Gänge, dass wir hier als ganz schlechte Vorbilder fungieren. Also habe ich beschlossen, wieder Sport zu treiben. Die ersten paar Mal musste ich mich wirklich dazu zwingen, meine Matte auszurollen, aber ist der Körper erstmal aus seinem lethargischen Zustand befreit, geht es jedes Mal besser. Wie funktioniert also Sport neben Kind? Meine Tochter findet es extrem lustig! Sie liebt es auf der Matte barfuß mit zu springen und zeigt mir ganz leichte Versionen der Liegestütze. Auch ich mache freundliche Nasenlöcher. Zudem erspart man sich Gewichte, wenn sich das Kind beim Versuch eines Planks einfach mal auf deinen Rücken hängt. Anstrengend wird es nur, wenn sie mir bei Sit-ups die Haare frisieren möchte, oder mir beim Yoga die Augenlider aufspreizt. Aber wir üben noch.

Putzen macht der ganzen Familie Spaß

Ja, richtig gehört. Putzen macht Spaß. Vor allem, weil es doch ein bisschen Zeitvertreib ist. So ehrlich muss ich sein, auch wenn die Zeit daheim mit Kind sehr sinnvoll, ja wirklich wirklich wertvoll ist, mir fällt doch oft die Decke auf den Kopf. Und so versuche ich bei der Hausarbeit mein Kind zu integrieren. Und ich habe eins von den tollen Kindern. Denn Geschirrspüler ausräumen macht ihr mehr Spaß als malen, zusammen kehren mehr als singen und neuerdings Fenster putzen mehr als auf den Spielplatz gehen. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, als ich mir einen Wassereimer und einige Putzfetzen für die Mission: Hallo, Sonnenlicht! genommen habe: Steht das Mädl ernsthaft schon ganz oben auf der Leiter, ihr kleines Sandküberl am Arm und einen Lappen darin drapiert. Hat leider die Konsequenz, dass ich bei dieser Handlung wirklich wieder mal merke: Hilfe, mein Kind ist mit mir verwandt! Auch wenn die Fenster wahrscheinlich nachher genauso dreckig waren, wie davor: Mein Kind hatte Freude und ich den Eindruck, als sei wieder etwas im Haushalt erledigt.

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1 Comment
  • Reply
    Das Kind in mir | Mama Jammer
    1. Juni 2019 at 10:54

    […] auf das Wesentliche besinnen. Das heißt bei uns: Beschäftigung mit dem Kind. Weil, ich habe es in diesem Beitrag schon erläutert, das Kind kann sich unmöglich mit sich selbst beschäftigen. Es reicht dem Kind […]

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