Weihnachten unzensiert

Weihnachten mit Kind

Ich habe wirklich versucht, dieses Jahr in Weihnachtsstimmung zu kommen. Dem Kind zu liebe. Dem Kind in mir zu liebe. Aber schon in der Adventszeit hat mir da alles und jeder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Angefangen beim Regenwetter. Aufgehört bei vielen Dingen, die Weihnachten zu Bruch gegangen sind. Aber der Reihe nach.

Die Vorbereitungen für das Fest

Ich hasse einkaufen kurz bevor die Lebensmittelversorgung für ganze zwei Tage die Menschheit in Hungersnöte stürzt. Kein Wunder, dass sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit Millionen von Menschen Fettreserven anfressen müssen. Wir wollen am 24.12 also nicht mehr außer Haus, und da dies dieses Jahr ein Montag ist, müssen wir alles vor dem Wochenende erledigen. Nicht nur Einkaufen, sondern auch Müll entsorgen und alten Kram spenden- wir brauchen nämlich Platz für die 1.000 Weihnachtsgeschenke, mit der unser Kind sicher überhäuft wird. Trotz Regel: Maximal ein Geschenk zu Weihnachten!
Aber zu dem ganzen Erledigungs-Stress kommt noch dazu, dass unsere Tochter von einem Tag auf den anderen beschlossen hat, jetzt nicht mehr um 8 Uhr morgens aufzustehen, sondern um 5 Uhr morgens.
Mama hat sich an diesen abrupten Rhythmuswechsel noch nicht gewöhnt, steht ausnahmsweise trotz Vater-Anwesenheit (der braucht Erholung von der Weihnachtsfeier) morgens mit der Kleinen auf und vegetiert am Sofa dahin.

Hilfe, mein Kind ist viel zu fröhlich

Im Gegensatz zu mir, weiß die Kleine schon ganz genau, was sie mit dem Tag anfangen will. Er beginnt mit einer Runde “Ich hüpf auf Mama rum”, geht dann fließend über in “Bitte Mama, lies mir alle Weihnachtsbücher vor, die ich habe” und endet mit “Dreh die Musik auf, nimm mich auf den Arm und tanz mit mir durch die Wohnung.” Es ist 6 Uhr morgens. Ich habe es noch nicht geschafft, die Kaffeemaschine zu aktivieren. Aber ich tanze durch die Wohnung.

Ein Chaos kommt selten allein

Als wir dann alle irgendwie munter sind und unsere sieben Sachen organisieren, können wir endlich alles ins Auto laden und unseren Highway to hell starten. Just in dem Moment, in dem das Auto die Garage verlässt, schüttet es Wasserwände vom Himmel. Die Vorankündigung vom Day after Tomorrow. Patschnass verladen wir Gerümpel, entsorgen Altes und drehen 10 Runden am Parkplatz für den Einkauf. Und weil wir an diesem Tag so schön in Fahrt sind, starten wir auch gleich mit der Wohnraum-Umgestaltung – wann hat man denn sonst Zeit? So lernt das Kind auch gleich Wertvolles für’s Leben. Und da schau her, mein Mann der sonst statt einen Nagel ein Loch in die Wand schlägt, zeigt sich als geduldiger Lehrmeister und das Kind staunt und schweigt. Ach du besinnliche Weihnachtszeit.

Wir feiern Weihnachten

Was für andere unvorstellbar klingt (aber ganz ehrlich, eigentlich ihrer ganz geheimen Wunschvorstellung entspricht), ist für uns die Belohnung für jahrelangen Heiliger Abend-Stress. Anstatt nämlich im Zwei-Stunden-Takt unsere Patchwork-Familie von einem Bundesland ins nächste abzuklappern, bleiben wir zuhause und das alleine. Nur wir drei. Wir essen Unaufwändiges, wir schauen beschissen und müde aus wie immer, wir singen Lieder und wir packen Geschenke aus. Ohne Familien-Eklat. Ganz entspannt. Mit neuer Wohnzimmergestaltung und ohne Löcher in der Wand. Dafür mit einem hellen Farbfleck, mit dem wir unsere Arbeit vertuschen wollten.

Wir feiern noch immer Weihnachten

Das Familien-Ding bleibt uns aber nicht erspart. Hier will schließlich leerer Platz mit neuem Zeug gefüllt werden. Den Weihnachtstag verbringen wir mit Familie 1, die aufgrund des stetigen Wachstums in den “Wintergarten” zum Feiern ausquartiert werden muss. Die 147 m3 heizen wir mit einer Mini-Heizkanone, die versagt. So speisen wir ganz bescheiden in unseren Wintermäntel und besingen einen schiefen Weihnachtsbaum, der sich schamvoll hinter einer Wand Geschenken versteckt.

Bescher(b)ung Nummer 3

Unsere letzte Station führt uns ein paar Höhenmeter aufwärts. Man will ja schließlich einmal noch Weihnachten im Schnee feiern. Unser Kind findet es super, allerdings bemerkt es sofort, dass die dort angesiedelte Oma noch keinen Platz für neues Zeug geschaffen hat und zerlegt ihr kurzerhand ihre komplette Wohnungsdekoration. Die restlichen Feiertage versuchen wir also das Schlimmste zu verhindern und das ab 5 Uhr morgens.

Weihnachten und Bescherung

Driving home after Christmas

Weihnachten ist also vorbei und wir kehren wieder nach Hause zurück. Wir sind fix und fertig und weinen ein bisschen vor Erschöpfung und Freude, dass man nun wieder auf der heimischen Couch leise sterben kann. Hauptsache das Kind ist glücklich. Und das ist es. Komplett überdreht wütet es durch die Wohnung und verteilt Spielzeug und Schmutzwäsche gleichermaßen euphorisch. Von wegen besinnlich. Da fallen mir wohl jede Menge andere Adjektive ein. Aber ein bisschen Zensur muss hier jetzt sein.

Weihnachten mit Kind - unzensiertes Weihnachtsfest

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