Urlaub 2.0: Urintherapie, Kindergespräche und ein Wellness-Bereich, den keinen interessiert

Urlaub mit Baby

Wir haben unseren ersten Urlaub als Familie hinter uns. Und den haben wir ganz vorzeige-mäßig in einem Kinderhotel verbracht, das macht man ja so. Mit Hunden muss man ja auch schauen, welche Etablissements besonders auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sind. Also fährt man mit Kind eben ins Kinderhotel. Logisch. Dort wird einem ja alles einfacher gemacht.

Als wir am Vormittag ankommen ist unser Zimmer noch nicht fertig. Wussten wir ja eigentlich, dass wir “ab 15 Uhr ein Zimmer zur Verfügung” haben. Darum sind wir auch Vormittag hin. Weil jeder weiß, dass das Zimmer höchstwahrscheinlich früher fertig ist. Ist es nicht. Also ziehen wir uns halb im Gepäckraum, halb in der kinderfreundlichen Umkleidekabine im Wellness-/Schwimmbereich um. Ich weiß jetzt auch was kinderfreundlich dort wirklich heißt: Ganz schmale Umkleidekabinen, wenig Platz dazwischen. Klar, Kinder brauchen ja auch nicht viel Platz. Aber es geht weiter: keine Ablageflächen und kein Wickeltisch. Also wird das Kind einfach in der Luft zwischen Mama und Papa ausgezogen. Man selbst steht halb nackig da und checkt natürlich erst später, dass das womöglich nicht so eine gute Idee ist (Jugendschutz und so).
Als es dann geschafft ist, gehts auch gleich ab ins Wasser. Der Papa darf erstmal den “16-Jahre-plus-Bereich” erkunden. Meine Tochter am Arm, Blick ins kindergetränkte Becken: Ja das bisserl Urin auf der Haut wird schon nicht schaden. Nicht drüber nachdenken, was die vielen Schwimmwindeln alles durchlassen könnten.
Die Kinder plantschen vergnügt, unsere Kleine hat irrsinnigen Spaß, dem Treiben zuzusehen und hat auch schon die ersten Schlucke Luluwasser gekostet. Dann packt mich eine kleine Hand am rechten Arm. Das Mädl quatscht mich mit irgendwas zu, hat auch einen kleinen Bruder und was weiß ich, was ich nicht noch alles erfahre. Dann erblickt sie mein Baby und ihre Augen leuchten.

“Wie heißt es denn?”
– “Emilia.”
“Ist es ein Mädchen oder ein Bub?”
– “… ein Mädchen!?”
“Die hat ja gar keine Haare!!!!!”
– “Und du bist hässlich!”

… Hab ich natürlich nicht gesagt, sondern gemeint, die kommen schon noch. Schnell weg von der kleinen Nervensäge*, ins tiefe Wasser traut sie sich mir nämlich nicht folgen. Hehe.
Dann wird mir der Trubel aber zuviel und ich wechsle ins Babybecken. Dort sitzen übergewichtige Kleinkinder* und schauen doof. Das Wasser ist noch wärmer, also das Lulu frisch. Ausschlag haben wir noch keinen, also alles gut.
Wir setzen uns vor den Springbrunnen und spielen weiter. Plötzlich springt der Brunnen nicht mehr. Eines der übergewichtigen Kleinkinder hat sich auf die Öffnungen gelegt und schaut mich herausfordernd an. Ich lächle es an und konzentriere mich auf unser Becher-mit-Löcher-Wasserfall-Spiel. Das Kind gibt auf und wendet sich gelangweilt ab. Ein anderes hat uns in der Zwischenzeit die Becher weggenommen und schaut nun, was ich tue. Ich gehe. Denke mir aber noch, dass ich aufhören sollte, anderen Kindern aus dem Weg zu gehen, sonst wird die Kleine auch noch so asozial wie ich.

Nach einem chaotischen Versuch, uns selbst und das Baby trocken zu machen und anzuziehen (das nächste Schläfchen steht an und kann ohne Zimmer nur im Kinderwagen erfolgen), sammeln wir unsere Kleidung in der Mini-Umkleide sowie im Gepäckraum zusammen und gehen eine Runde. Oder 300m bergab und wieder zurück bergauf. Weiter den Berg runter wollen wir nicht, müssen ja schließlich immer wieder rauf. Also gehts ein paar Mal hin und her, bis die Kleine schläft und dann ein paar weitere Male rauf und runter, damit sie schlafen kann.
Wieder im Hotel angekommen, checkt der Papa, ob unser Zimmer bezugsfertig ist, während ich wieder mal darum bitte, den Gepäckraum aufzusperren. Während ich unser Kind auspacke, steht schon wieder ein anderes hinter mir und lächelt mich mit ihrer Stoffkatze am Arm an. Dann kommt ein “Miau, miau, miau” aus ihrem Mund und ich weiß wirklich nicht, wie ich darauf antworten soll. Vielleicht mit “Miau?” aber das ist mir dann zu blöd. Ich muss auch gar nichts sagen, weil die Kleine erzählt mir dann wie sie heißt und wo sie wohnt und dass ich sie eh nur mit Vornamen anreden muss und nicht mit ganzem Namen. Na Gott sei Dank! Ihre Mama lächelt peinlich berührt und sieht verträumt mein nicht sprechendes Kind an. Finger weg! Meins!

Wir haben dann tatsächlich ein Zimmer und fahren mit dem kinderfreundlichen Lift (2 m2) in den obersten Stock. Nachdem es aber der einzige Lift im Haus ist, warten wir zuerst 10min bis dieser die übergewichtigen Kinder vom Erd- ins erste Geschoss gebracht hat (an dieser Stelle möchte ich betonen, ich will hier nicht gemein sein, die Kinder waren auch gar nicht so dick, aber ich muss das hier jetzt übertreiben, weil ich mich bitte reinsteigern will. Danke!).
Unser Zimmer ist toll, groß und ganz weit weg von irgendeinem Eltern-deren-Kinder-schon-schlafen-Abend-Bereich.
Also sitzen wir abends vor der leicht geöffneten Badezimmertüre, während unser Kind im Bett schläft und spielen leise am Tablet Spiele, während wir alkoholfreien Radler trinken. Hat auch was ganz Romantisches (ist nämlich zeitgleich auch unser 12. Jahrestag).

Am nächsten Tag (unsere Kleine ist 7 Monate) läuft alles prima. Wir sind alle super gut drauf. Unser braves Kind sitzt im Hochstuhl und isst eigenhändig ihr Frühstück. Nicht mal der kleine Junge, der plötzlich neben ihr steht und ihr vorsichtig den Arm streichelt, macht ihr Angst.

“Wenn du das später mal bei Frauen machst, würde ich vorher zuerst mal ‘Hallo’ sagen”, sag ich nicht, denk ich mir.
– “Die ist so süß”

Ach, ist der nett! Ganz verliebt schaut er die Kleine an, bis ihn seine Mama verlegen holt. Wir schlagen ihr vor, ein Geschwisterchen nachzulegen. Sie lacht und geht dann mit einem Blick im Gesicht, der mir nicht gefällt, weg. War das ein “Zwei davon und ich geb mir die Kugel!”-Blick?

Wir haben noch einen tollen Tag vor uns. Ich auf jeden Fall. Denn heute darf ich in den “16-plus-Bereich”. Und dort eröffnet sich für mich eine komplett neue Welt. Ich bin alleine in einer Oase. Hier gibt es keinen Menschen. Ich weiß gar nicht, in welche Sauna ich zuerst gehen soll. Warum ist hier niemand? Wieso flüchten sich hierhin nicht alle Eltern? Der Schwimmbereich ist riesengroß, vor allem wenn man alleine ist. Ich höre eine ganze Stunde nichts ausser Wasserrauschen und das Hitzeknistern in der Sauna. Nach diesen 60 Minuten habe ich aber – und Eltern kennen das sicher – schon wieder Sehnsucht nach meiner Kleinen. Die hat wie immer mega viel Spaß im Wasser und strahlt von einem Ohr zum anderen.

Ich habe mich mittlerweile an die extrovertierten Kinder gewöhnt und reagiere auch nicht mehr so geschreckt auf ihr plötzliches Auftauchen und Drauf-los-Quasseln. Ich kannte sowas ja zuvor gar nicht. Bis dato waren wir jedes Jahr in einem Wellnesshotel für Erwachsene und da ist niemand zu mir gekommen, hat meinen Arm gestreichelt, gemeint ich hätte wenig Haare und mir dann Name und Adresse verraten. Schade eigentlich.

*Etwaige Gemeinheiten, die ich über andere Kinder hier geschrieben habe, sind nicht wirklich so dafür absolut liebenswert gemeint 🙂 
Urlaub mit Baby
 

You May also Like...

Kinderlieder
Warum man als Mama zur Psychopathin mutiert #1
25. November 2017
Las Vegas und mein More-Night-Stand
21. Oktober 2015
Nachts durchschlafen durch Abstillen
Der Traum vom Schlaf
22. Februar 2019
2 Comments
  • Reply
    Julia
    15. Dezember 2018 at 23:48

    ???kommt mir irgendwie bekannt vor – auch dieses Hotel, zweimal probiert und noch für gut befunden ? – aber es gibt auch richtig tolle Kinderhotels ?

    • Reply
      Mama
      16. Dezember 2018 at 8:50

      Uh – ich bin ganz Ohr für Vorschläge ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.