Wir improvisieren Kinder kriegen

Da ist man eine gefühlte Ewigkeit schwanger und hat natürlich, vor allem gegen Ende dieser Phase, viel Zeit. Zum Denken, Lesen und Planen. Und weil ich doch sehr viel schon von Freundinnen und Bekannten zum Thema Schwangerschaft, Geburt und Kinder erziehen gehört habe und auch viel und sehr genau beobachte, sowie in Unmengen an Artikel und Büchern geschnuppert habe, war mir klar, dass das alles nichts bringt. Vielleicht kann man das ein bisschen mit der Einschulung vergleichen: Da redet jeder davor ganz viel darüber.

Die Erwachsenen: Jetzt beginnt der Ernst des Lebens, bald kommst du in die Schule, da wirst du ja dann endlich Lesen und Schreiben lernen und du wirst schon sehen, dass das kein Honiglecken ist.
Die Schüler: Schule ist voll anstrengend und fad und ich hab soviel Hausübungen, kann auch nicht mehr soviel spielen.
Die Kindergartenkinder: Schule? Pff. Ich mal mal ein Bild… Nein ich will Sand spielen!

Und du als Schulanfänger stehst dann da und denkst dir „Scheiße“.
So ähnlich ist es auch mit dem Schwanger-Sein habe ich festgestellt.

Die Eltern: HA! Pläne! Wirst schon sehen, Urlaub kannst du dir in die Haare schmieren. Und von wegen, mein Kind bekommt nur selbstgekochten Brei. Und hahahaaha mein Kind wird keine Klette.
Die anderen Schwangeren: Mann, es ist so anstrengend, ich kann mich nicht mehr bewegen, nichts kann ich tun, der Bauch ist immer im Weg, ich kann nicht schlafen und jetzt heul ich schon wieder während ich mich übergebe.
Die Nicht-Eltern: Wuhuuuu Party! Kinder was? Gehn wir aufs Electric Love? Sushi essen? Wie, nein? O_o

Soweit mal zum Beobachten und Analysieren meiner „misslichen“ Lage. Was tut die brav Studierte also? Genau, sich dem Thema von der sachlichen Seite nähern: Ein bisserl was lesen und dabei von vorne anfangen. Am besten bei den Primaten und Urmenschen. Und da wird einem dann schon vieles klar: Die Affenbabies hängen an der Mama wie eine Klette. Auch nachts. Weil sie sonst wissen: Keine Überlebenschance. Dass das bei uns Menschen eigentlich nicht mehr so tragisch ist, weiß ein Menschenbaby ja nicht und schreit mal aus vollster Seele, wenn es alleine ist. Logisch oder? Und nur weil das kleine Affenbaby der Mama ihren Körper schön langsam tot beisst, gibt sie ihm auch keine Banane statt Muttermilch. Und von Kinderwagen, Windeln und Babylotion haben die auch noch nie gehört. Gut, mittlerweile sind wir ein bisschen weiter als Affen. Aber dennoch haben mir diese Vergleiche geholfen, die ganze Zukunft ein bisschen gelassener zu sehen!

Der kleine Zwerg wird mit Grundbedürfnissen auf die Welt kommen und die sollen einfach intuitiv befriedigt werden. Also scheiß auf Pläne, die Aufgabe lautet: Improvisation! Wird schon alles irgendwie werden! Und weil wir Gott sei Dank noch keine Roboter sind und alle gleich ticken, wird die Nachbarin das wahrscheinlich ganz anders machen als ich. Und deren Baby wird auch groß und hoffentlich zufrieden werden.

Und auch wenn es alle Mamas und Schwangeren und Ratgeber und Ärzte und Hebammen noch so gut meinen. Meistens verunsichern sie einen doch nur. Zumindest ein kleines bisschen. Weil dir ja unterm Strich jeder was anderes rät. Andere Meinungen sind mir aber immer noch sehr wichtig, um mir selbst ein Bild zu machen, wie es sein kann aber nicht muss. Und um aufs Schlimmste vorbereitet zu sein. Aufs schlimmste Schönste der Welt – da sind sich alle einig 🙂

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