Stockholm, Elchwurst und The Walking Dead

Wir haben’s getan! Sind tatsächlich nochmal auf Urlaub geflogen. Und weil es ja in den nächsten Monaten sicher eh schon ultra-entspannend werden wird und wir uns auf gar keinen Fall erholen mussten, haben wir uns für einen Städtetrip entschieden. Also eigentlich habe ich entschieden. War ja schließlich ein Geburtstagsgeschenk meinerseits zum vollendeten dritten Jahrzehnt. Die Wahl fiel auf Stockholm. Weil ich eben zuvor in meiner gewohnt manipulativen Art ganz hinterhältig und nebenbei am Strand der Malediven damals gefragt habe, welche Stadt denn interessant wäre. Gut, er hat damals Amsterdam gemeint. Habe mich deshalb für Stockholm entschieden.
Schließlich reicht mir einmal hin- und retour fliegen, muss ja nicht ständig über den Wolken sein. Zudem ist Stockholm super! Das ist ein bisschen wie meine blond/rothaarigen und sommersprossigen Vorfahren besuchen. Außerdem komplett unverfänglich weil mein Mann absolut nicht auf den blonden Typ Frau steht. Ja, hab auch so geschaut, als ich das damals erfahren habe. Aber was soll’s.

Steigen wir also in den Flieger und fahren der Sonne entgegen. Nämlich wortwörtlich, weil dort gibt es im Moment nur Sonne – egal ob es 10 Uhr abends
oder 3 Uhr morgens ist. Furchtbar soviel Licht. Man hat den Drang ständig noch was zu unternehmen, weil der Tag noch nicht vorbei ist.
Deshalb liegen wir auch jeden Tag ab 17 Uhr im Hotelzimmer und schauen schwedisches Fernsehen. Immerhin sind wir da schon 16.000 Schritte und 10 km
gewatschelt und haben dazwischen Pausen in den diversesten Verköstigungslokalen gemacht. Und das wird entweder irgendwann anstrengend, oder hauptsächlich
teuer.

Neben dem Sport- und Fressprogramm haben wir aber auch einiges angeschaut. Soll man ja laut Reiseführer in einer Stadt. Also sind wir durch die diversen Stadtteile geschlendert und mit der Tunnelbahn von A nach B gereist. An den ersten zwei Tagen habe ich mich dann regelrecht verliebt in dieses nordische Städtchen: Da gab es tatsächlich an keiner Touristenattraktion Menschen! Und in der Tunnelbahn saßen alle da und hielten ihre Klappe. Wundervoll. Soviel Ruhe! So wenig Bakterien <3
Am dritten Tag hatten wir dann weniger Glück, weil da war so ein Fußball-Finale von irgendwas Champions und Europa und Manchester und einem Putzmittel.
Da waren dann die netten Gassen voll von betrunkenen Engländern. Richtig lästig. Mein Engländer-Verachtung an diesem Tag habe ich dann leider an unseren lieben Stockholm-Tour-Guide auslassen müssen, der uns voller Freude verkündete, dass er schon sieben Jahre hier mit seiner schwedischen Freundin lebt. Nicht mehr lange, mein Brexit-Freund, nicht mehr lange.

Am darauffolgenden Feiertag war die Illusion von meiner idyllischen kleinen schwedischen Stadt dann endgültig dahin. Da sind dann die asiatischen Reisegruppen mit ihren iPads und Selfie-Sticks sowie mehrere Kreuzfahrtschiffe mit Senioren angereist. The Walking Dead in der ganzen Stadt! Furchtbar. Da sind sogar die in extremer Menge vorhandenen blonden Frauen gar nicht mehr aufgefallen!

Aber nun zum Wesentlichen: Das Essen.
Wir haben’s natürlich typisch schwedisch probiert. Was aufgrund meiner Umstände geheißen hat: Essen wie daheim, weil roher Fisch und Räucherfleisch nix gut.
Dafür hat mein Mann aber alles möglich gekostet und ich hab zuschauen dürfen. Am meisten Freude bereitet hat mir das Hotdog auf schwedische Art, genannt
Tunnbrödsrulle. Eine saftige Wurst in Fladenbrot, garniert mit (und da schlägt das Schwangeren-Herz höher) sauren Salat und Kartoffelpüree. Äußerst lecker. Vor
allem das Wurstwasser, das das Handgelenk runterläuft, wenn man in die saftige Rolle beißt. Das ganze hab ich mir gleich zweimal gegönnt, beim letzteren Mal hab ich sogar noch eine Elchwurst mitgehen lassen. Dachte ich mir schon, dass die an der Kassa
aber sehr schwere Strohhalme verpackt haben… Gleich dem Mann gefüttert damit keine Spuren zurückbleiben. Aber wenn ich gewusst hätte, dass der Elchwurst-Schmuggel gar nicht so das Problem ist, sondern es dafür strengstens untersagt ist, jeglichen Alkohol von Schweden in andere EU-Länder einzuführen, hätte mich das gar nicht so gestresst. Konnten also die Fingerkuppen inkl. Fingerabdrücke dran bleiben.

Fazit: Wenn man auf blonde Frauen mit Kinderwägen, Elchwurst und Kreuzfahrtschiffe steht ein absolutes Must-See. Wenn man einen alternativen Wohnort sucht, wenn der Rechtsruck in Österreich wieder mal aufflammt, auch auf jeden Fall eine Überlegung wert. Zudem sind die Schweden äußerst gebildet: Sprich tolles Schulsystem, tolles Karenzsystem, tolle Englisch-Kenntnisse, tolle Elchwurst. Tolle Stadt also, toller letzter Urlaub.

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