Richard Gere und die Nr. 21

Ich darf das ja eigentlich nicht. Das mit dem Glücksspiel. Aber eigentlich tu‘ ich ja nicht wirklich was, viel mehr bin ich ja nur die beiden Male im Casino gewesen, weil ich hobbymäßig liebend gerne Sozial- und Gesellschaftsstudien mache. Oder als passive Souffleuse agiere. Oder aktive Beraterin. Oder zählendes Mathe-Genie. Naja, das wohl eher nicht – ist mir eher zu anstrengend an einem Abend im parfümierten Teppichpalast mit Bing-Bing-Klangkulisse.

Wenn ich mich an Vegas zurück erinnere (und ihr ein paar Einträge nach unten scrollt), dann hat es mir damals definitiv dieser Automatenfriedhof angetan. So sehr hab ich mich auf eine Wiederholung dieser Gefühlsekstase gefreut. Aber Linz ist anders:

  • Hier muss man sich schick anziehen, um reinzukommen. Las Vegas hat sich damit begnügt, dass die Gäste untenrum bekleidet waren. Also mit Schuhen.
  • Hier geht man erst abends her, während man in meiner neuen Lieblingsstadt zwischen Morgenkaffee und Brunch ein paar Runden im Roulette setzen kann.
  • Hier gibt es keine positiven Geräusche – alles ist auf stumm geschaltet.
  • Hier hat man viel zu wenig Parfum verwendet – wie soll ich denn da unterschwellig zum Geldausgeben animiert werden??
  • Hier haben die Croupiers richtig viel Humor. In Vegas bringen sie dir dafür gratis Getränke.

Also die Sozialstudien. Hab ich ziemlich schnell abgeschlossen. Hauptsächlich alte Menschen und Asiaten mit zu viel Geld oder zu vielen Schulden.Da fliegen die bunten Scheine nur so von Tisch zu Tisch und jeder hat Stress möglichst viel Papier los zu werden. Beim ersten Besuch hatten wir eine kleine Einschulung gebucht – für ein Spiel unserer Wahl. Da wir Knöpfe drücken können (haben wir ja studiert), fielen die Automaten schon mal weg. Mit Schwarz und Rot haben wir’s nicht so – deshalb auch kein Roulette. Und Poker können wir – spielen wir ja immer bei unseren privaten illegalen Glücksspieltreffen im Hinterhof. Also Blackjack. Hat man ja schon viel gehört davon, kann man lernen und man muss nicht viel können, außer bis 21 zählen. Das schaffen wir!

Unser Lehrer-Croupier war der Wahnsinn. Man stellt sich vor: Ein 12-jähriger Bub in einem viel zu großen Anzug und zwei stark hervortretenden Schneidezähnen. Den nimmt man erstmal nicht ernst. Bis er die Karten in die Hand nimmt und Zaubertricks vorführt. Sind aber angeblich keine, sondern er mischt nur. Und dann zack-zack-zack teilt er die in Lichtgeschwindigkeit aus, und bevor du noch kognitiv wahrnimmst, welche Zahlen da auf den Karten stehn, hat er schon alles zusammengerechnet, dir gesagt, dass du verloren hast und die deine wertvollen Chips gestohlen. Oder er sagt dir einfach was du tun musst. Das machst du dann und gewinnst – manchmal.
Alle 15 Minuten kommt dann ein Neuer daher. Und jedesmal denkst du dir: Bitte geh nicht, du bist lustig, kannst rechnen, gibst mir manchmal Geld und sagst mir was ich tun soll! Aber der Nächste ist dann noch unterhaltsamer, und der nächste noch viel mehr. Und wir haben richtig viel Spaß mit unserer Mathe-Stunde.

Datei 03.09.16, 21 12 40
Im Geldrausch

Letztes Mal haben wir dann unsere alten Croupier-Freunde wieder getroffen. Einer davon, ist ein ganz besonderer. Der schaut nämlich aus wie der Richard Gere. Und als wir ihm das so sagen, wird er ein bisserl rot und freut sich. Daraufhin teilt er uns ganz super Karten aus. So ein lieber! Und weil wir ja schon einmal da waren und beim zweiten Mal jetzt wirklich mal was gewinnen wollten, haben wir uns natürlich top-informiert über die Black Jack-Spielstrategie. Und eigentlich schafft es jeder zumindest das Eintrittsgeld zurückzuspielen. Außer mein zukünftiger Ehemann – der Streber. Wenn der was lernen will, dann lernt er das nicht nur, sondern studiert das. Und das sehr verbissen. Aber auch zu seinem Vorteil. Denn mittlerweile spielt nur noch er und alle anderen setzen einfach auf sein Feld und vermehren ihr Geld automatisch mit. Ich freu mich wie eine Wahnsinnige und sehe schon die teure Hochzeit bezahlt! Und tatsächlich: er verfünffacht seinen Einsatz. Damit sind zumindest die Platzkärtchen bezahlt, aber hey – immerhin! Ich glaube ja, dass Richard Gere gehofft hat, dass wir uns in die Schulden spielen und die Hochzeit abblasen müssen. Welche Frau sagt einem schon, dass er wie ein Sexsymbol aussieht. Ein mittlerweile ziemlich altes und unattraktives, dass durch seine Liaison mit einer Prostituierten berühmt wurde, aber immerhin ein Symbol mit ein bisschen Sex.

Datei 03.09.16, 21 40 30
Wir setzen auf den Besten

 

You May also Like...

Episoden einer Alterskrise Part II
20. Juli 2016
Las Vegas und mein More-Night-Stand
21. Oktober 2015
Episoden einer Alterskrise Part I
18. Juli 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.