Das Gadget, das mich versklavte

Ich habe meine 80 Tage geschafft und das macht mich echt glücklich. Nein ich rede nicht vom Rauchen oder Trinken oder sonstigem gesellschaftsgetriebenen Trend, aus dessen Bann ich mich befreien konnte. Sonder von etwas, das der durchschnittliche Österreicher sehr argwöhnisch und skeptisch betrachtet. Es geht um ein echt abnormales Verhalten, das man sich im Laufe der Jahre eigentlich brav abgewöhnt hat: Bewegung. Gehen statt fahren. Ein Bein vor das andere setzen. 8.000 Schritte täglich (noch lange nicht das, was die Medizin bereits als sehr positiv erachtet). Und das ist eigentlich noch nicht mal sooo abnormal. Schon etwas, wenn man als normal erachtet, dass man im Büroalltag eigentlich nicht mehr als 2.000 Schritte tätigt. Gut ich dramatisiere… Wenn man sich dann zuhause noch Richtung Couch hievt, ins Bad Zähneputzen geht und sich das Schlafzimmer mindestens zwei Räume weiter befindet, schafft man auch 2.200 Schritte. Alles getestet von mir. Also schon abnormal von 2.200 auf 8.000 Beinhebetätigkeiten aufzustocken. Das ist wie wenn man immer nur 2 GB USB-Sticks hatte und dann auf einmal seinen ersten 8 GB USB-Stick vollbekommen möchte. Richtig harte Arbeit. Aber gibt ja Gott sei Dank HD, sprich große Files bzw. um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren: es gibt Sport, bei dem man sich viel bewegen muss. Das HD unter den Bewegungen. Laufen, Hampelmänner, Tae Bo, Tanzen, Arschtritte, Klogänge, Treppen steigen, am Stand Laufen während der Bachelor im TV läuft. So. Und weil ich ja nicht so beknackt bin und einfach so meine Schritte tagtäglich runtertrample ohne dafür einen Reward zu bekommen, habe ich natürlich ein Fitnessband, das sehr befriedigend vibrieren kann, wenn ich es geschafft habe. Und dann zeigt es mir, wie viele Tage ich das schon hintereinander geschafft habe. Level up also. Tagtäglich.

Und weil ich so auf diese Quests stehe, schaut das ziemlich belämmert aus, wenn ich, während ich in einer Bar Cocktails schlürfe, nervös von einem Bein aufs andere hüpfe. Oder bei Freunden einige Runden im Wohnzimmer drehe. Ja ich bin eine Sklavin meiner Gadgets. Ich liebe es, das zu tun, was mir künstliche Intelligenzen sagen! Ich tue alles dafür, um diese wundervolle Runde Zahl zu erreichen und das erleichternde Vibrieren auf meinem Handgelenk zu spüren. Und dieser wundervolle grün leuchtende Fortschrittsbalken, den ich jeden Abend zufrieden betrachte, hat mir echt den Kopf verdreht. Warum das so ist? Weil ich den Zwang habe, alles Begonnene zu Ende zu bringen. Und immerhin habe ich damit den Biss, etwas durchzuziehen. Und immerhin bewege ich mich ganze 5.800 Schritte mehr als sonst. Und immerhin hieve ich meinen Hintern tagtäglich auf, um in die Gänge zu kommen. Immerhin tu ich mehr als du, weil du gerade still dasitzt und diese Zeilen liest. Während ich diesen Eintrag im Gehen geschrieben habe. IN YOUR FACE.

Datei 14.03.16, 20 50 53

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