Warum Kühe nicht lila, Almhütten nicht hygienisch und die Berge nicht sympathisch sind

Ich mag zwar als Stadtkind geboren und großgezogen wurden sein, war aber dennoch schon immer sehr naturverbunden. Nichts war schöner, als ein Tag bei meinen Großeltern am Bauernhof, da gab’s nicht nur Kätzchen, Ferkel und Hühner, sondern auch Kühe. Und genau da beginnt womöglich mein Trauma. Zu gut ist die Erinnerung daran, wie mich der Peitschenhieb eines Kuhschwanzes auf den Stallboden beförderte und obwohl ich nicht wehleidig bin, hatte ich seither Respekt vor den Wiederkäuern. Und Ekel vor dem Stallboden (und damit hab ich womöglich meine Liebe zu allem was sauber ist entdeckt). Seit diesem Erlebnis vor 22 Jahren bin ich Kühen prinzipiell aus dem Weg gegangen. Nicht dass sich meine Wege jemals mit den ihren gekreuzt hätten. Bis vor Kurzem. Als ich nichtsahnend und vollmotiviert auf einer Almhütte in den Bergen ausgesetzt wurde. Und was ich als zivilisierter Mensch und Hygienefanatiker dabei nicht bedacht habe: Auf der Alm, da gibts nicht nur ka Sünd, sondern auch kein fließend Wasser, keinen Kanal und damit: kein Klo! Nichts außer ein Loch, das man gemeinschaftlich als Sanitärbereich deklariert hat und in das nun kollektiv geschissen wird. Also wirklich nicht. Das kann ich nicht. Und deshalb werden die Synapsen deaktiviert – kein WC-Besuch heute!

Meine Abneigung gegen das Wandern habe ich wohl verdrängt. Mittlerweile ist die Kondition ja doch etwas besser, aber die Berge auch leider nicht weniger steil. Aber die Natur eben… da muss man ja ohnehin gaaaanz langsam gehen, damit man auch jede Heidelbeere begutachten, jede Bergspitze bestaunen und jeden Grashalm fotografieren kann. Angst vorm Verirren ist auch nicht gegeben, wir gehen einfach den Hufspuren und monströsen Kuhfladen nach. Die mich dann ganz plötzlich aus meiner heilen Heute-kein-Klo-Tag-Welt reissen. Erinnert mich 1. an das Plumpsklo von vorhin und 2. an Kühe. Ein hastiger Blick rund um mich bestätigt mir aber, dass weit und breit nichts zu sehen ist, außerdem sind die doch sicher eingezäunt – so beruhige ich mich zumindest bis wir über den Stacheldrahtzaun klettern. Freiwillig. Na super. Idioten. Begeben uns ins Gehege. Echt toll. In jeden Film würden jetzt die Zuschauer rufen: „Nein, tut das nicht!“ und wissen auch was gleich passieren wird.

Als wir aber immer höher kommen, sagt mir die Vernunft: Kühe gehen doch nicht auf Berge! Und schon gar nicht wenn es da 100e Meter weit nach unten geht. Da rutscht man doch irrsinnig leicht ab, in solch große Gefahr begibt sich doch keine Kuh. Mhmm. Schön für die Kuh, blöd für mich. Weil jetzt check ich erst, dass wir das auch wieder runter müssen, und dabei muss man zwangsläufig auch nach unten schauen. Aber vorerst gibt es ein Ziel, das vor uns liegt und das die Berggams, die mich begleitet, schon erreicht hat und nun ruft, wir sollen doch da nach oben kommen da ist ein toller See und so schön und überhaupt. Und so krabble ich nach oben, halte mich an Grashalmen fest, die mir interessanter Weise, das Gefühl von Sicherheit geben, falls ich ausrutsche. Ja so ein Grashalm ist sicher ganz tief in der Erde verankert und ich wiege auch nicht mehr als eine Eintagsfliege… Und als ich da oben ankomme und mich aufrichte, blicke ich in die Augen des Grauens: Diese Kuh liegt da lässig vor mir und starrt. Mir direkt in die Augen. Und dann springt sie auf und starrt noch heftiger. Gleich fallen mir die tollsten Schlagzeilen ein, die ich, sofern ich das Erlebnis überlebe, sofort als Vorschlag an die Kronenzeitung senden werde. „Die tun nichts!“ bringt mir auch nichts, die Augen der Kuh sagen mir was anderes und so erblicke ich den dahinter liegenden See niemals und steige rückwärts wieder runter. Die Kuh im Blickfeld. Die Höhe im Rücken. Und die volle Blase in mir. Und da soll noch einer sagen, Wandern ist so entspannend. Und somit muss ich es ganz ehrlich und offen gestehen: Ja, die Killerkuh Schlagzeilen aus der Boulevardzeitung könnten auch von mir kommen! Womöglich ist das besagt Printmedium auch eine Aufarbeitungsschreibwerkstatt für Menschen mit besonders tragischen Erlebnissen. Jetzt ergibt auf jeden Fall vieles Sinn!

Killerkühe auf der Alm
Killerkühe auf der Alm

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